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Aktuelles bei der SP Gundeldingen-Bruderholz
Standaktion beim Gundeldinger Jugendfest 2011 (zum Album)


Jahresbericht 2009/2010: Anonyme SozialdemokratInnen!
In der Aargauer Agglomerationsgemeinde, wo ich in den Siebzigerjahren der SP beitrat, aber noch mehr im Oberbaselbieter Dorf, wo ich während einem Dutzend Jahren politisch aktiv war, wusste jedes Kind, wer alles bei der SP war. Wir waren die roten Hunde, die sich im „Ochsensäli" zu monatlichen Sitzungen trafen, für alle sichtbar am 1. Mai-Umzug teilnahmen und an der Gemeindeversammlung die bürgerlichen Dorfhonorablen mit Vorstössen, Anträgen und kritischen Voten herausforderten - und das nicht selten mit Erfolg!
Heute hat sich das stark verändert. Heute sind SozialdemokratInnen - mit Ausnahme von ein paar gewählten VolksvertreterInnen - in der Öffentlichkeit, das heisst politisch, kaum mehr wahrnehmbar und es überwiegt mehr und mehr die Spezies der anonymen SozialdemokratInnen. Anonyme SozialdemokratInnen bezahlen Parteibeiträge und spenden zuweilen sogar etwas darüber hinaus in die Parteikasse, sie stimmen und wählen häufig so, wie es die SP vorgibt, aber darüber hinaus findet Sozialdemokratie für sie nicht statt. Die politische Haltung der anonymen SozialdemokratInnen ist Privatsache, die niemanden etwas angeht und von der niemand etwas wissen soll.
Das ist schade, denn Politik lebt vom öffentlichen Auftritt, von der Debatte und vom Bekenntnis der eigenen Überzeugung - im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, aber auch beim Zusammensein mit Gleichgesinnten. Dazu gibt es immer wieder Gelegenheit, zum Beispiel wenn die eigene Quartiersektion zu einer politischen Veranstaltung einlädt, eine Standaktion durchführt oder Unterschriften sammelt. Da ist die grosse Politprominenz natürlich nicht dabei, und im Vergleich zu den Politarenas und Elefantenrunden am Fernsehen geht es eher ruhig und gemächlich zu und her. Man diskutiert kleine, alltägliche Dinge, zum Beispiel über Tagesheime für Kinder und Freiräume für Jugendliche. Man sammelt Unterschriften gegen den zunehmenden Verkehr im Quartier oder man verteilt an einem Stand Abstimmungsmaterial. Dabei geht es dafür aber zumeist um Naheliegendes, von dem wir direkt betroffen sind, etwas verstehen und bei dem wir mitreden können.
Schade gibt es immer mehr anonyme Sozialdemokratinnen. Schade hört man im Alltag so wenig von ihnen. Schade, denn dafür können andere umso lauter, dümmer und unwidersprochener herum „pralaagen", die so genannte Volksmeinung bestimmen und unser Land blamieren. Schade bleiben die Veranstaltungssäle der SP leer, leer bis auf ein paar nicht anonyme SozialdemokratInnen, die sich - mehr oder weniger unverdrossen - bemühen, SP-Politik wahrnehmbar und erlebbar zu machen.
Schade, denn nun habe auch ich vor lauter anonymen SozialdemokratInnen fast vergessen, einen zünftigen Jahresbericht unseres SP QV zu verfassen. Dabei könnte ich doch von unseren sechs lebendigen Vorstandssitzungen berichten können, bei denen wir die laufenden Geschäfte und Aktionen vor- und nachbereiteten, aber auch von den beiden Sessionsrapporten mit unseren SP-National- und GrossrätInnen, von den zwei thematischen Mitgliederversammlungen, zu denen sogar vier, fünf noch nicht bekannte Gesichter erschienen und sich als Parteimitglieder outeten, von den zwei Standaktionen auf dem Tellplatz, vom Stand unserer Quartiersektion am Gundeldinger Jugendfest, als die ganze Quartierbevölkerung sah: Es gibt sie noch, die roten Hunde, und sie zeigen sich sogar am helllichten Tag! - und nicht zuletzt vom stimmungsvollen Fondue-Essen im Biobistro auf dem Gundeldinger Feld, bei dem wir auch interessierte Neumitglieder begrüssen durften.
Ja hergottsacknochmal: Sozialdemokratie ist eben keine Krankheit, keine Sucht, kein Laster, das man verstecken muss. Jeder und jede darf offen zu seiner/ihrer politischen Überzeugung stehen und darf diese sogar mit einer Parteizugehörigkeit bezeugen ohne sich zu schämen. Ich bin sicher, es täte jedem Parteimitglied gut, aus der selbst auferlegten Anonymität herauszutreten, und nicht zuletzt täte es auch unserer Politik und unserer Partei gut, der grossen nationalen und kantonalen ebenso wie der kleinen Quartiersektion, deren Vorstände und Präsidien gegen Resignation und Frustration ankämpfen und diesen Kampf nicht selten verlieren. Leider!
Umsomehr danke ich allen, die unsere Quartiersektion im vergangenen Jahr bei den diversen Anlässen offen, persönlich und solidarisch begleiteten, allen voran meinen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand, mit denen zusammen zu arbeiten für mich eine grosses Vergnügen war, und ich freue mich über jedes unserer derzeit 116 Mitglieder, das sich im kommenden Jahr auf die eine oder andere Art politisch outet, sowie natürlich über unsere 46 Sympathisantinnen und Sympathisanten, die unseren Quartierverein aus dem Off unterstützen und in Zukunft vielleicht sogar einmal zu - hoffentlich bekennenden - Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten werden.
Matthias Scheurer
Präsident SP QV Gundeldingen-Bruderholz


